Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: wie sie wirklich funktioniert (und warum das Marketing den Begriff missbraucht)
Veröffentlicht von May Software
Der Begriff „Ende-zu-Ende-Verschlüsselung" (End-to-End Encryption, E2E) wird heute von fast allen Cloud-Diensten verwendet. Das Problem: Die technische Definition ist präzise, und viele Anbieter verwenden den Begriff unscharf für eine einfache „Verschlüsselung im Ruhezustand".
Verschlüsselung im Ruhezustand vs. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
Verschlüsselung im Ruhezustand (at rest) bedeutet, dass Ihre Dateien auf den Festplatten des Servers verschlüsselt sind. Das schützt sinnvoll vor physischem Diebstahl der Festplatten, ändert aber nichts daran, dass der Anbieter selbst den Schlüssel zur Entschlüsselung besitzt: Er kann Ihre Dateien jederzeit lesen und muss sie bei einer gerichtlichen Anordnung im Klartext herausgeben.
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung verlagert die Verschlüsselung vor den Versand der Daten: Die Datei wird in Ihrem Browser oder auf Ihrem Gerät verschlüsselt, mit einem Schlüssel, den nur Sie besitzen. Der Server empfängt, speichert und überträgt ausschließlich bereits verschlüsselte Inhalte. Das nennt man eine Zero-Knowledge-Architektur: Der Anbieter hat technisch keinerlei Kenntnis vom Inhalt.
Wie Sie prüfen, ob ein Dienst wirklich E2E ist
- Erfolgt die Verschlüsselung vor dem Upload, auf Client-Seite (Browser oder App)?
- Wird der Entschlüsselungsschlüssel aus Ihrem Passwort abgeleitet, oder aus einem Geheimnis, das nur Sie besitzen?
- Kann der Anbieter Ihr Passwort zurücksetzen, ohne Ihre Daten zu verlieren? Falls ja, ist das ein Warnsignal: Er besitzt dann eine Kopie der Schlüssel.
- Ist der clientseitige Verschlüsselungscode dokumentiert oder überprüfbar?
Bei May·Secret wird jede Datei im Browser mit XChaCha20-Poly1305 (über libsodium) verschlüsselt, noch bevor sie unsere Infrastruktur erreicht. Unsere Sicherheitsseite erklärt das gesamte kryptografische Verfahren Schritt für Schritt.
Der Preis dafür: ein verlorenes Passwort ist unwiederbringlich
Ein echter Zero-Knowledge-Dienst kann keine klassische Passwort-Wiederherstellung anbieten, da dies einen Zugriff auf die Daten im Klartext voraussetzen würde. Das ist eine bewusste Abwägung zwischen absoluter Vertraulichkeit und Komfort — solange man das weiß und sein Passwort in einem dedizierten Passwort-Manager aufbewahrt.
Bereit, Ihre Dateien absolut vertraulich zu speichern?
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